2024: Sommer in der Südsee

Die erste Weichenstellung ist erfolgt: NAJADE wird auch den kommenden Winter wieder in Mölln in einer Halle verbringen. Wir bleiben somit im Sommer 2024 im Norden. Unser Aktionsradius wird Hamburg, den Nord-Ostsee-Kanal, die dänische Südsee und Südschweden umfassen. 

Das Winterlager in Mölln war ein guter Entscheid. Weder das Jahrhundert-Hochwasser in der westlichen Ostsee noch die diversen Stürme bereiten uns Sorgen. Wir können gut schlafen, denn NAJADE steht auf dem Trockenen in einer Halle.

Auch in diesem Sommer werden wir in Etappen reisen und zwischendurch ab und zu nach Hause zurückkehren. Die erste Etappe ist bereits fixiert. Am 10. April hebt der Kran NAJADE zurück ins Wasser. Die Reise beginnt. Wir steuern Hamburg und den Nord-Ostsee-Kanal an. 

Mittwoch 10. April 2024, Mölln-Güster: Am Sonntag sind wir mit dem Auto nach Mölln angereist. 950 km Autobahn, bei besten Bedingungen, schönes Wetter, keine Staus, einfach nordwärts. Ursprünglich wollten wir eine Woche früher starten, mit dem Plan, NAJADE's Oberteil neu zu malen. Für die Schleifarbeiten hätten wir ein Zelt um das Schiff bauen müssen, und Miet-Schleifmaschinen mit Absaugeinrichtung einsetzen, und, und, irgendwie wurde das zu kompliziert und auch das Wetter passte nicht. 

Am Sonntag beziehen wir in der Pension Waldlust Quartier (40€/Person, mit Frühstück), einem stimmungsvollen, aber nicht mehr ganz taufrischen Hotel. Die Altstadt von Mölln zeigt sich immer noch im gleichen Zustand wie ein halbes Jahr zuvor im Oktober. Eine Grossbaustelle dominiert die Hauptgasse. Der erste Stopp führt zur Halle 12, dem Winterquartier von NAJADE. Alles sieht ok aus, ein wenig verstaubt zwar, aber trocken und unbeschädigt. Das Unterwasserschiff ist von der Davidswerft neu gestrichen worden, inklusive der Montage von neuen Zink-Anoden (passend für Brackwasser und Salzwasser). 

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Montag und Dienstag arbeiten wir am Schiff. Ein paar Rostflecken müssen weg, wir machen Kosmetik mit Schleifen und Pinseln. Unser Hauptaugenmerk gilt dem Einbau des neuen Echlotgebers (Garmin GT23M-TH). Das Teil passt auf Anhieb in die vorhandenen Löcher und Bohrungen, mit Sikaflex wird der Geber abgedichtet und geklebt, das ging aber schnell. Doch die Freude währt nur kurz. Der Geber weist einen 8-Pin-Stecker auf, unser GPSMap-Plotter hingegen offeriert einzig einen 12-Pin-Anschluss. Wir fluchen ein wenig, denn den neuen Geber haben wir an der BOOT 24 in Düsseldorf am Garmin-Messestand bestellt, mit dem Hinweis, dass ein 12-Pin-Stecker Pflicht ist. Nun wird ein Adapterkabel benötigt. Das bestellen wir bei SVB mit der Lieferadresse City-Marina Hamburg. 

Am Dienstagnachmittag verlässt NAJADE frisch geputzt das Winterquartier. Mit Traktor und hydraulischem Hebewagen geht's in den nahen Hafen. Am Abend feiern wir den gelungenen Abschluss der Vorbereitungsarbeiten in der Pizzeria Pietro Nr 2 am Seegarten, zusammen mit Franziska und Peter, unseren Bekannten aus Lübeck, die dort das Fundus-Theater betreiben.

In der Nacht zum Mittwoch regnet es, und die Temperaturen sinken in den Keller. Das sind ja tolle Bedingungen zum Einwassern! Im Hafen fegt ein frostiger Wind über das Wasser. Der Vierachser-Teleskopkran steht bereit, und das Team der Davidswerft daneben. Zwei Hebegurten legen sich um den Rumpf, und unspektakulär wird NAJADE ins Wasser gesetzt. 

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Wir sind gespannt, ob die Maschine anläuft. 20" vorglühen, und schon schnurrt der 6-Zylinder-Volvo-Penta los. Wir legen ab und biegen in den Elbe-Lübeck-Kanal in Richtung Elbe/Hamburg ein. Unser Tagesziel befindet sich mit dem Sportboothafen im Prüsssee in Güster.

Der Prüsssee ist recht gross und sehr naturnah. Ab und zu zeigen sich Wohnwagen am Ufer, rundum befindet sich ein riesiger Campinplatz mit festen und weniger festen Bauten. Wir rufen das Hafenmeisterbüro an und erkundigen uns nach einem passenden Liegeplatz. Nur einige Boxen sind besetzt, doch die geringe Wassertiefe lässt nicht überall ein Zufahrt zu. Sicherheitshalber gehen wir längs am ersten Steg, der backbord vor der eigentlichen Marina-Zufahrt auftaucht. Das Wasser ist klar, man sieht auf den schlammigen Grund. Wir schätzen die Wassertiefe auf max. 1,5 m, Bugstrahler und Propeller wirbeln Dreck auf.

Strom und Wasser sind vorhanden. Am nördlichen Ufer der Hafenbucht weisen einige Boxen genug Wassertiefe auf, beim Badebereich am Ostende hingegen ist es untief (Mauer mit Pollern und Stromsäulen). 

Die Hafenbucht wird durch das Restaurant Seepavillon abgeschlossen. Die Wirtin freut sich über den Besuch, wir sind die einzigen Gäste. Zum Apéro kredenzen wir einen Weisswein, und buchen den Tisch gleich für das Abendessen. Die Reservation wäre nicht nötig gewesen. Wir sind wiederum allein im Lokal.

Gefahrene Distanz: 13 Kilometer (Motor: 3147 h).  

Donnerstag 11. April 2024, Güster-Lauenburg: Der Sportboothafen in Güster ist Teil eines riesigen Campingplatzes. Das 22 ha grosse Gelände inklusive See befindet sich in Privatbesitz. Nach dem Anlegen haben wir an der Kasse des Campingplatzes eingecheckt. Die Liegegebühren betrugen 20 € plus 20 € Depot für den Schlüssel zum einzigen aktiven WC/Dusche-Raum. Alles ok? Nein, ganz und gar nicht.

Am Morgen klopft eine streng auftretende Dame bei NAJADE an und will den Beleg für die Liegegebühren sehen. Im Gespräch stellt es sich heraus, dass die resolute Kontrolleurin die Frau des Besitzers ist. Sie macht einen leicht angespannten Eindruck, weil wir offenbar zuwenig bezahlt haben, respektive nur für zwei statt für vier Besatzungsmitglieder Gebühren enrichteten. Aha! Wir fühlen uns unschuldid, den beim Einchecken wurde nicht nach den an Bord anwesenden Personen gefragt. Wir bringen einen anderen Punkt in die Diskussion ein: Die Dusche liefert nur kaltes Wasser. Aha, sagt jetzt die Dame, tja, wenn das so sei, dann sei keine Nachgebühr fällig. Wir plaudern noch ein wenig und erfahren vieles über das private Naturschutzgebiet. Der See wird direkt mit sauberem Grundwasser versorgt, bestes Badewasser also. Am Boden leben grosse Teichmuscheln, und Krebse. Hier sei die Natur noch intakt, erklärt die Frau, aber man müsse konsequent aufpassen, dass es so bleibe. Ihren Wohnsitz hat das Besitzerpaar übrigens in Brunnen am Vierwaldstättersee. 

Gegen Mittag lässt der Regen nach, Leinen los. NAJADE nimmt die letzten Kilometer des Elbe-Lübeck-Kanals ins Angriff. Schiffe sind keine unterwegs. Mit einer Ausnahme, der BRÜCKENKIECKER steht im Einsatz. Die Anwesenheit des Brücken-Arbeitsschiffes mit seiner Hubplattform war via ELWIS angekündigt worden, mit dem Hinweis, eine Vorbeifahrt am Schiff auf Funkkanal 10 abzusprechen. So machen wir es. Der Kapitän winkt, und wir winken zurück. Die beiden Schleusen Witzeese und Lauenburg schliessen die Kanalpassage ab. Wir erreichen die Elbe.

Für die Übernachtung wählen wir den Skippertreff Yachthafen Lauenburg. Die Hafenmeisterin lotst uns per Telefon an den Steg. Die Dame führt den Hafen in Alleinregie, was ihr auch schon einen Auftritt in einer TV-Doku eingebracht hat. Der Hafen ist durchaus in Ordnung, vor allem wegen seiner Nähe zu Altstadt Lauenburg. Die Liegegebühr sind eher tief, dafür kommt man mit einer schwachen Blase an die Kasse. Jede Türöfnnung des Sanitärtrakts kostet 50 Cents. Auch die Bezahl-Duschen befinden sich hinter dieser Bezahlschranke. Für 4'-Minuten Wasserberieselung ist zusätzlich eine 1€-Münze fällig. 

Ein Spaziergang durch die Altstadt ist Pflicht: Historische Riegelhäuser säumen die gepflästerten Gassen, das Rad der Zeit dreht sich zurück. An jedem Haus erzählt eine Infotafel die Geschichte der Liegenschaft. So erfahren wir, dass wir mit der Passage des Elbe-Lübeck-Kanals sechs ganze seltene Schleusensysteme erlebt haben. Nur an zwei weiteren Standorten, in Berlin und ennet dem Atlantik in Kanada, gibt es ähnliche Kosntruktionen. Erfunden hat sie Ludwig Hotopp. Das besondere der Hotopp-Schleusen ist ihre Energieversorgung. Sie arbeiten völlig autark ohne Elektrizität, Pumpen oder fremdgetriebene Hydraulik-Komponenten. Wir das funktioniert, ist hier im Detail nachzulesen.  

Gefahrene Distanz: 24 km, inkl. 2 Schleusen (Motor: 3150 h).

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Freitag 12. April 2024, Lauenburg-Hamburg: Die Elbe bringt recht viel Wasser, kein Vergleich mit dem vergangenen Sommer. Damals meldete Dömitz einen Pegel von weniger als 80 cm, jetzt sind es knapp 2 Meter. Ausser NAJADE ist kein Schiff unterwegs. In Geesthacht fahren wir auf die letzte Schleuse vor Hamburg und der Nordsee zu. Der Schleusenmeister erkundigt sich, ob wir zum erstenmal hier seien. Dann erklärt er freundlich das kommende Manöver. Alle Sportboote müssen am Sportbootanleger am linken Flussufer festmachen, auch dann, wenn die Signale Grün anzeigen. Die Einfahrt in die Kammer ist erst erlaubt, wenn die entsprechende Aufforderung per Lautsprecher erfolgt. Zwei Eiltanker schieben sich an uns vorbei, dahinter dürfen wir mit in die Schleuse.

Die Elbe schiebt uns zügig Richtung Hamburg. Zuerst taucht der Fernsehturm auf, dann grosse Industriebauten und schliesslich das Zackendach der Elbphilharmonie. Wow, die Kulisse ist eindrücklich, und wir freuen uns. Rheinfelden-Hamburg ist geschafft. Nach der Passage der Elbbrücken rufen wir wie tags zuvor vereinbart im City-Sporthafen an. Der Hafenmeister hat für uns direkt hinter dem roten Feuerschiff LV13 einen Liegeplatz reserviert. Er nimmt die Leinen entgegen, hilft mit Rat und Tat beim Festmachen und gibt Tipps über die Highlights von Hamburg. Am Flaggenmast flattert die Schweizer Fahne, was für ein Empfang!

Einziges Handicap des zentralen Yachthafens in unmittelbarer Nähe von Landungsbrücken und Elbphilharmonie ist der Schwell der pausenlos verbeirauschenden Hafenbarkassen auf ihren Rundfahrten. Es schaukelt ein wenig, auch in der Nacht, die Fender und Festmacher knarren. Gegen die hellen Scheinwerfer am Steg helfen die Fensterabdeckungen. Die Sanitäranlagen befinden sich in zwei Containern, sie sind zweckmässig, und da wir fast die einzigen Gäste sind, gibt es keinen Dichtestress.

Die diversen KI-Tools im Netz verleiten zu Spielereien. Hier ein Video, das zeigt, wie sich die künstliche Intelligenz eine stürmische Einfahrt in Hamburg vorstellt: Sturm in Hamburg

Gefahrene Distanz: 54 km, inkl. 1 Schleuse (Motor: 3155 h)

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Dienstag 16. April 2024, Hamburg-Wedel: Wettermässig boten die vier Tage in Hamburg alles von frühsommerlicher Sonne bis hin zu kalten Sturmböen mit Regen, Aprilwetter eben. Besucht haben wir die Elbphilharmonie-Plaza (Ticket kostenlos), das Miniaturwunderland (lohnt sich), den Elbtunnel (zu Fuss oder mit dem Velo durchqueren), den Fischmarkt (Pflichtprogramm am Sonntag), den Cruise-Terminal mit der MSC Euribia (lange Wanderung durch den Hafen und zurück mit dem Taxi) und selbstverständlich die Reeperbahn (nicht mehr so spektakulär wie früher, man wird älter...). Auch eine Hafenrundfahrt absolvierten wir, bei sehr ruppigen Bedingungen. Die Wellen überrollten den Bug der Barkasse mehrmals, booahh, was, wenn NAJADE hier bei diesem Seegang durch muss????  

Technisch erhält NAJADE am Montag den letzten Schliff. Das bei SVB bestellte Adapterkabel für den Echolotgeber trifft zwar bei der Lieferadresse City-Sporthafen nicht ein, da die Paket-Boten nicht wissen, dass sich ein Hafen auf dem Wasser befindet und nicht an einer Strasse. Via UPS-Hotline können wir einen Abholtermin vor Ort im Depot Hamburg vereinbaren. Dieses befindet sich in einem Industriegebiet am Stadtrand. Welch Zufall, nur eine Strasse weiter hat auch unser Funkgerätehersteller Standard-Horizon Europe den Hauptsitz. Dort holen wir ein zusätzliches Verbindungskabel für das externe Bedienteil RAM4 ab. Dieses war im Winter aus Kulanz kostenlos ersetzt worden, erneuert wird jetzt die auch Kabelverbindung. Nun funktioniert alles bestens, wir sind somit definitiv für die Weiterfahrt bereit.  

Kalter Nordwind von vorn und Regen begleiten uns bei der Abfahrt gegen 10.30 Uhr. Die Tide ist am Kippen, wir rechnen mit zusätzlichem Schub von hinten. Die Elbe zeigt sich von der zahmen Seite. Wenig Wellen, wenig Schiffsverkehr, wir bummeln entspannt elbeabwärts. Vor uns schiebt sich ein Mega-Container-Riese in den Strom, der ebenfalls die ablaufende Flut für die Fahrt Richtung Nordsee nutzt. Der dicke Brocken dominiert den Blick bis auf Höhe von Finkenwerder. Dort wird ein startendes Beluga-Frachtflugzeug auf dem Airbus-Werksflughafen zum Eyecatcher.
 
Der Hamburger Yachthafen in Wedel offeriert etwa 2000 Liegeplätze. Anlegen kann man in jeder freien Box, die Auswahl ist unermesslich, fast alle Stege sind frei. Wir binden uns irgendwo fest und machen uns auf die Suche nach dem Hafenmeister, was zu einer regelrechten Wanderung ausartet. Drei Hafenmeister leisten in der Riesenmarina Dienst, alle haben Mittagspause, die Büros sind schätzungsweise kilometerweit voneinander entfernt. Wir finden den richtigen Ansprechpartner und erhalten einen Liegeplatz ganz weit Aussen an einem der Stege zugeteilt. Laufen ist gesund....
 
Das kalte Aprilwetter verändert unsere Reisepläne. Eigentlich hatten wir geplant, in Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal eine Pause für den Heimaturlaub einzulegen. Da die Zehn-Tages-Wetterprognose wenig Gutes voraussagt, reisen wir jetzt schon nach Hause. Am Mittwoch holen wir in Mölln unser Auto ab und am Donnerstag geht's in die Schweiz. NAJADE bleibt fünf Wochen alleine hier. 
 
Der Yachthafen verabschiedet sich mit Nebel und Bodenfrost. Und dann geht die Sonne auf und verzaubert alles. Draussen schiebt sich ein Mega-Containerschiff vorbei und verschwindet plötzlich in einer Nebelbank. Hier das nicht sehr spektakuläre Slowmotion-Filmchen (zum Einschlafen.... aber eindrücklich, was ein KI-Tool aus einigen verzitterten Bildern produzieren kann)).
 
Gefahrene Distanz 19 km (Motor: 3155 h, Betriebsstundenzähler ausgefallen, 2h Fahrzeit). 
 
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Mittwoch 22. Mai 2024, Wedel-Glückstadt: Einmal musste es passieren: NAJADE, respektive deren Crew, gibt die weisse Weste ab. Ja, wir haben eine gebührenpflichtige Verwarnung kassiert und der Wasserschutzpolizei 35€ bezahlt. 
 
Was ist passiert? Wir tuckern tiefentspannt die Elbe abwärts und wechseln kurzzeitig ans linke Ufer, um einem entgegenkommenden Mega-Riesen-Supercontainer-Koloss auszuweichen. Das war falsch. Das Radarauge von Elbe-Control sieht alles, was auf dem Fluss läuft. Es erfolgt eine Meldung an die Wasserschutzpolizei, und diese ist schnell vor Ort. Das Beiboot wird abgesetzt, und zwei Beamte kommen an Bord. Sie sind sehr freundlich, klären uns Schweizer Elbe-Novizen über die Fahrregeln auf ("Immer rechts bleiben"), und entschuldigen sich beinahe, dass nun ein Strafzettel nötig sei. Beim Abschied werden wir eingeladen, in Cuxhafen beim Polizeiboot vorbeizuschauen und einen Kaffee zu trinken, als Entschädigung sozusagen.
 

Der Polizeibesuch war nicht das einzige Negativerlebnis vom Tag. Das Wetter macht mehr Sorgen. Es regnet und regnet. Bei Sonnenschein sind wir gestern in Wedel angekommen, NAJADE empfing uns in Topform, alles an Bord funktionierte auf Anhieb. Aber am Morgen um sechs Uhr setzte der Regen ein, und jetzt im Hafen von Glückstadt regnet es immer noch. Was macht man an einem Schlechtwettertag? Ja, man bastelt. Unser wassergekühltes Wellenlager schleudert ab und zu ein paar Tropfen Rostwasser durch den Motorraum. Jetzt vermindert eine Selfmadeabdeckung mit einem Stück Blache die Sauerei.

Die Einfahrt in den Binnenhafen Glückstadt (Infos von blauwasser.de) ist nur in einem Zwei-Stunden-Zeitfenster vor dem Tiden-Höchststand möglich. Dann öffnet sich das Sperrtor. Im Aussenhafen gibt es Warte- und Übernachtungsplätze entweder längs am Quai an Backbord oder an Schwimmstegen an Steuerbord. Im Innenhafen stehen diverse Anlegeoptionen offen. Wir versuchen es in einer der freien Boxen der Seglervereinigung Glücksstadt direkt vor dem Haus zur Alten Mühle (links nach dem Sperrtor), wo sich das Büro des Hafenmeisters und die Sanitäranlagen befinden (und nicht zu vergessen das gastliche Restaurant "Zur alten Mühle"). Wir vertäuen NAJADE an zwei Heckdalben und doppelt am Bug. Da öffnet sich ein Fenster und ein Mann meint: "Hier ist das Anlegen wegen einer Baustelle nicht möglich". Weiter landweinwärts seien Liegeplätze verfügbar. Folgsam parken wir um und gehen in der letzten frein Lücke längs an den Quai vor dem Städchen. 

Der Hafenmeister öffnet ab 17 Uhr sein Büro und entschuldigt sich für das schlechte Wetter, da es wieder einmal recht heftig regnet. Der Zugang zu WC und Dusche ist per Code möglich. Die Hafeninfrastruktur ist recht angenehm, mit sauberen Sanitäranlagen. Vorsicht: Wenn man am Quai festmacht (und nicht an einem Schwimmsteg), dann dürfen die Festmacher nicht zu dicht genommen werden, da manchmal der Pegel plötzlich um +- 30 cm schwanken kann. Das Städtchen Glückstadt lädt zum Spazieren und Einkaufen auf. Schmale Gassen führen sternförmig zum Hauptplatz. Wenn die Sonne scheint, kommt man nicht weit, etliche Garten- und Strandbeizen laden zum Apéro ein. 

Aus dem Heimaturlaub sind wir nach Hamburg geflogen, für einen sagenhaft günstigen Preis mit Easyjet ab Basel. Ab Flughafen führt die S-Bahn S1 direkt nach Wedel. Dann braucht man ein Taxi für die letzte Etappe zum Yachthafen. Das Fliegen führt im Endeffekt jedoch nicht zu einem gewaltigen Zeitvorsprung. Am Morgen sind wir kurz vor elf Uhr in den Zug eingestigen, in Wedel setzten wir uns um 18 Uhr in ein Bistro. 

Gefahrene Distanz: 38 km (Motor: 3163 h). 

Donnerstag 23. Mai 2024, Glückstadt-Brunsbüttel: Den Abfahrtstermin in Glückstadt gibt das Sperrtor vor. Es öffnet sich zwei Stunden vor dem Hochwasser und schliesst sich mit dem Kippen der Tide. Heute geht das Tor um 14.15 Uhr auf. Das ermöglicht uns einen weiteren ausgiebigen Spaziergang durch das schöne Städtchen.

Die Weiterfahrt elbeabwärts hält heute keine Überraschungen bereit. Der Fluss wird immer breiter, und die diesige Sicht vermittelt einem das Gefühl, man sei bereits auf der Nordsee angekommen. In Brunsbüttel führen vier Schleusenkammern in den Nord-Ostsee-Kanal. In den beiden kleinen, südlichen Kammern fahren die Sportboote mit. Der Ablauf der Schleusung ist in vielen Berichten dokumentiert. Wir haben alles gelesen, und es tönt ein wenig kompliziert. So sind wir bei der Annäherung an die Einfahrt in den NOK ein wenig angespannt. Doch die Aufregung ist vergebens. Wir drehen im Wartebereich für Sportboote am Nordufer der Elbe eine Runde und studieren die diversen Lichter an den Signalmasten. Rot blinkt, Weiss blinkt, was nun? Da meldet sich der Schleusenmeister im Funk: "Das Sportboot in der Elbe kann in die kleine Kammer einfahren". Ganz allein absolvieren wir die Schleusung stressfrei in der riesigen Kammer. Der Begriff Schleusen ist fast fehl am Platz. Es geht nur ein paar Zentimeter nach unten. Angelegt wird an schwimmenden Stegen aus Holzbalken. Die Fender müssen bis aufs Wasser abgesengt werden.   

Zum Anlegeschluck gibt's grosse Schiffe. Wir sind in Brunsbüttel im Nord-Ostsee-Kanal angekommen und haben nach dem Passieren der Schleuse gleich im Stadthafen gegenüber parkiert. Nun fahren direkt neben uns die Frachter in der grossen Schleusenkammer ein und aus. Wer die Seefahrt liebt, der kommt hier voll auf seine Rechnung, Tag und Nacht, während 24 Stunden. Aber Vorsicht, der Lärm ist auch imposant, und die Luft ist ein wenig russig.

Brunsbüttel bietet als Sehenswürdigkeit nicht sehr viel. Der Spaziergang durch das am Abend menschenleere Städtchen ist trotzdem interessant. Beim Aussenhafen machen wir kehrt. Die dortigen Stege wären die Alternative, wenn man es nicht mehr durch die Schleuse schafft. Vorsicht, fasst alle Liegeplätze fallen bei Ebbe trocken, der Untergrund ist schlammig und weich. 

Hafeninfo: Der Hafenmeister kommt zwischen 18 und 20 Uhr zum Boot und kassiert das Liegegeld. Strom ist vorhanden, je nach Liegeplatz ist ein Verlängerungskabel nötig. Die Duschen und Toiletten befinden sich hinter der Touristinformation (Türöffnung mit Code). In den grosszügigen Einzelkabinen hat es sowohl ein WC wie auch eine Dusche, in der ersten Kabine sogar eine Doppeldusche..  

Gefahrene Distanz: 24 km, inkl. 1 Schleuse (Motor: 3166 h).

Freitag 24. Mai 2024, Brunsbüttel-Schleuse Gieselau: Nach dem geschäftigen Hafenbetrieb gestern in Brunsbüttel haben wir uns für heute ein einsames und ruhiges Plätzchen gesucht. Wir liegen zuerst ganz allein vor der Schleuse Gieselau in einem Seitenarm des Nord-Ostsee-Kanals. Doch die Idylle trügt. Nach und nach kommen weitere Schiffe an, das mit dem stillen Abend im Grünen wird wohl nichts. Ein weiterer Minuspunkt: Auf einem Feld in der Nähe bringt ein Bauer Gülle aus, was man gut riechen kann. Wir sinde eben echt auf dem Land.

Wir spazieren deshalb nach Oldenbüttel. Das Dorf liegt auf dem gegenüberliegenden NOK-Ufer, die Fähre ist kostenlos und fährt rundum die Uhr. Wir können uns somit für den Heimweg Zeit lassen. Ein paar Bierchen und Fischbrötchen später kehren wir zurück. Nun sind fast alle Liegeplätze belegt, von wegen einsamer Nacht....

Was haben wir heute gelernt: Auf dem NOK regeln in den Ausweichstellen, den sogenannten Weichen, Lichtmasten mit roten und weissen Blinklichtern den Schiffsverkehr. Meisten leuchten ein oder zwei rote Signale, was die Weiterfahrt für bestimmte Schiffskategorien verbietet. Wir üben uns in gut-schweizerischer Zurückhaltung und legen hinter einem in einer Ausweichstelle wartenden Frachter-Konvoi einen Stopp ein. Hoch oben auf der Brücke des letzten Schiffs winkt uns der Kapitän heran, dann steigt er aufs Deck hinab. Wir dürften überholen, erklärt er, für Sportboote sei nur eine einzige Signalkombination mit drei roten Blinkern relevant. Das bedeute Vollsperrung und somit das Ende der Weiterfahrt für alle Wasserfahrzeuge. Wir bedanken uns für den Tipp und reisen nun ein wenig entspannter in Richtung Kiel.

Gefahrene Distanz: 40 km, (Motor: 3171 h).

Samstag 25. Mai 2024, Schleuse Gieselau-Rendsburg: Die Naxcht vor der Schleuse Gieselau war sehr ruhig. Nur ab und zu knarrten die Fender und Festmacher, wenn ein im Kanal vorbeifahrender Frachter das Wasser aus dem Schleusenkanal saugt. Am Morgen wecken uns die Sonne und der Ruf eines Kuckucks. Wir tischen zum Morgenessen auf und nehmen es gemütlich. Die meisten anderen Schiffe sind schon weg. Bei der Einfahrt in den NOK warten wir einen ostwärts fahrenden Kaonivoi ab und reihen uns hinter dem letzten Frachter ein. doch die präventive Fahrweise bringt nicht viel. Nach dem Wechsel des Lotsen in der Weiche Breiholz hält der Konvoi an. Wir stützen uns auf das gestern Gelernte - "nur drei rote blinkende Lichter sind für Sportboote relevant" - und überholen die fünf Frachtschiffe. 

Die Rendsburger Eisenbahnbrücke mit der Schwebefähre ist das Wahrzeichen des Nord-Ostsee-Kanals. Die Schwebebahn trägt ein paar Autos und viele Radler über das Wasser, spektakulär. Wenig später folgt am rechten Ufer eine Halle der Lürssen-Werft, Zeit um nach backbord in die Ober-Eider einzubiegen. Der Yachthafen des Rendsburgers Regattaverein befindet sich ganz am Ende der Bucht, nahe von Bahnhof und Altstadt. Viele Gastplätze sind frei. Wir legen uns vorwärts zwischen die Dalben an den Steg.

Draussen in der Bucht drehen Rennboote ihre Runden, vermutlich eine aussterbende Gattung des Wassermotorsports. Der Lärm ist beachtlich, die Geschwindigkeit beeindruckend und die Boxengasse hoch spannend. Weniger attraktiv ist das Städtchen Rendsburg. Irgendwie haben die Planer den Spagat zwischen dem Erhalten von historischer Bausubstanz und dem Einfügen von Neuem nicht ganz geschafft.

Hsfeninfo: Ruhige Liegeplätze zwischen Dalben, Wasser und Strom am Steg, grosszügig dimensionierte WC- und Duschräume, freundliche Hafenmeisterin. Zur Hafenanlage gehört das Restaurat "Riverside" mit einer netten Menükarte.

Gefahrene Distanz: 29 km, (Motor: 3174 h).

 

Sonntag 26. Mai 2024, Rendsburg-Kiel Dürsternbrook: Es regnet wieder mal. Im NOK fahren wir in der Ausweichstelle auf mehrere wartende Frachter auf. Da nur zwei rote und ein weisses Licht blinken - und nicht drei rote - überholen wir keck. Der Auslöser für den Einbahnverkehr kommt uns wenig später entgegen: ein riesiges Baggerschiff, das fast die gesamte Kanalbreite beansprucht. 

Zurück in der Ostsee, die Schleuse Kiel-Holtenau macht uns die Ausfahrt aus dem Nord-Ostsee-Kanal einfach. Weit und breit ist kein Frachter in Sicht, wir legen kurz am Wartesteg am linken Ufer an, der Schleusenmeister informiert via Kiel-Kanal 4 (VHF 12) die wartenden Sportboote, das weisse Licht beginnt zu blinken und schon können wir einfahren. Festgemacht wird an schwimmenden Holzplattformen (link oder rechts), die Fender gehören ganz nach unten schwimmend auf dem Wasser. Der Hub ist kaum spürbar, etwa 20 cm schweben nach oben. Unmittelbar hinter dem Schleusentor wartet die Kieler Förde. Ab nun ist wieder mit Seegang zu rechnen. NAJADE beginnt leicht zu schaukeln. Die Segler, die mit uns in der Schleuse waren, biegen links ab, in Richtung Dänemark. Wir steuen nach rechts mit dem Ziel Kiel. Die erste grosse Fähre kommt uns entgegen: Ein Color-Line-Schiff mit Destination Oslo. 

Nun liegen wir für drei Tage im Sportboothafen Dürsternbrook. Drei Hafenbecken stehen zur Wahl. Zuerst passieren wir den Millionärshafen. Hier dürfen nur grosse Schiffe rein (ab 15 Meter Lönge). Für uns passt das nächste Becken, direkt beim Büro des Hafenmeisters. Hier kann man längs anlegen und sich nach einem freien Leigeplatz erkundigen. Oder man macht es wie wir: Wir steuern gleich eine Box mit einem grünen "Frei"-Schild an. NAJADE wird durch die Dalben gezirkelt, alles passt, nur das grüne Schild nicht. Dort ist hingekritzelt, dass die Box nur bis heute Mittag frei ist. Der Hafenmeister gibt sich sehr freundlich und weist uns einen richtig freien Platz zu. Das heisst umparkieren, doch auch diesemal klappt das Anlegen perfekt.

Von hier sind es etwa eine halbe Stunde zu Fuss in die Kieler Altstadt. Weil Sonntag ist spaziert die ganze Stadt auf der Kieler Linie, das ist die kilometerlange Strandpromenade. Nur das Wetter ist nicht so sonntäglich. Ein Gewitter rollt heran. Regen setzt ein, wie am Morgen beim Auslaufen in Rendsburg.

Hafeninfo: Der Sportboothafen Dürsternbrook (Olympiahafen aus dem Jahre 1936) ist meistens gut belegt, vor allem durch Segler. Direkt vor dem Hafenmeisterbüro kann man längs anlegen, und auch dort bleiben. Für die Duschen und Waschmaschinen gibt es beim Hafenmeister Jetons. 

Gefahrene Distanz: 39 km, inkl. 1 Schleuse (Motor: 3179 h). 

Mittwoch 29. Mai 2024, Kiel-Kappeln (Schlei): Rundherum kein Land in Sicht, Himmel hellgrau, See dunkelgrau, von Morgen bis Nachmittag einfach nur grau. Die Fahrt von Kiel in die Schlei führt ins Nichts, die Sicht ist miserabel und das Wetter auch. Der Seegang trägt noch das Tüpfelchen auf das i für einen Tag zum Vergessen bei: Obwohl die Wellen nicht allzu gross von hinten heranrollen, geigt NAJADE hin und her, die Crew verkrümmelt sich in den Kojen, der Steuermann harrt aus. Und es wird noch schlimmer. Exakt bei der Ankunft in Kappeln an der Schlei zieht eine Gewitterfront vorbei, mit Starkwind und Starkregen.

Und jetzt? Am Himmel zeigen sich die ersten Lücken in der Regenwolkendecke, ja, sogar ein blauer Schimmer wird sichtbar, und die Landschaft rundherum nimmt Farbe an. Verdeck und Schiff trocknen ab, und wir bewegen uns Richtung Städtchen. Dieses soll recht schön sein, und dank Internet wissen unsere Damen bereits im Voraus, an welcher Ecke was im Schaufenster betrachtet werden muss. Wir Männer rätseln über die Apéro-Getränkewahl: heisser Grogg oder kühles Blondes? Nein, das Heissgetränk fällt aus dem Rennen. Wir schreiben den 30. Mai, und das bedeutet ja eigentlich schon fast Sommer. Prost!

Die Navigation durch die Kieler Bucht benötigt Aufmerksamkeit. Hier befinden sich militärische Übungsplätze mit Sperrzonen, die durch gelbe Bojen markiert sind. Marineboote sind allgegenwärtig und kontrollieren den Schiffsverkehr mit Radar und AIS-Tracking. Je nach Kartenmaterial sind andere Übungszonen verzeichnet. So meldet der Garmin-Plotter ein rot markiertes Schiessgebiet an einer Stelle, wo die Navionics-Karten auf dem Smartphone freie Fahrt signalisieren. Die einheimschen Segler sind nur bedingt eine Orientierungshilfe, das sie relativ freizügig kreuz und quer durch die Sperrgebiete fahren. 

Hafeninfo: In Kappeln reihen sich unterhalb der Klappbrücke die Anlegemöglichkeiten an Steuerbord hintereinander auf. Die Werften der Marina sind tendenziell eher stark belegt. Wir finden eine freie Box mit grünem Täfelchen bei Anker Yachting. Der Platz ist ruhig, das Inkasso des Liegegeld erfolgt via Automat. Dieser spuckt eine Chipkarte mit dem Guthaben für Strom, Toiletten und Duschen aus. Alles nicht schlecht. Weiter schleiaufwärts finden sich mehr freie Liegeplätze am Quai nach dem Fischerhafen. Dort liegt man direkt an der Spaziermeile, die tagsüber ein grosses Besucheraufkommen verzeichnet.  

Gefahrene Distanz: 49 km (Motor: 3184 h).

Donnerstag 30. Mai 2024, Kappeln-Norderhaken (Schlei, Ankerbucht östlich Lindaunis): Das gestrige Schimpfen über das Wetter hat Wirkung gezeigt. Seit sechs Stunden scheint die Sonne. Das ist auf unserer Reise in diesem Jahr schon fast Rekord...

Nein, man soll nicht Jammern, sondern geniessen. Eine Fahrstunde ab Kappeln haben wir östlich von Lindaunis in einer Bucht der Schlei Anker geworfen. Es ist wunderschön hier. Sattgrüne Wiesen und Felder am Ufer, dazwischen Baumgruppen und ab und zu ein Häuschen oder ein Bauernhof mit einem Strohdach, Schleswig-Holstein zeigt sich als Ferienregion von der besten Seite. Das gilt auch für Kappeln. Am Morgen sind wir ausgiebig durch die Gassen gebummelt. Die Läden bieten mehr als der übliche Mix, auch Kunsthandwerk findet sich in den Auslagen. Strassencafés laden zum Sitzen ein. Die Häuser sind herausgeputzt.  

Zum schönen Wetter passen die guten Informationen, die wir von der deutschen Generalzolldirektion per Mail erhalten haben. Wir haben uns vor einigen Tagen erkundigt, was wir als Eigner eines Schiffes unter Schweizer Flagge zu tun haben, wenn der Ablauf der 18-Monate-Frist ansteht. Ich weiss, das ist eine oft heiss und kontrovers diskutierte Frage am Stammtisch in den Bootsvereinen, und ich möchte die Debatte nicht zusätzlich befeuern.

Aber die Antwort aus der obersten Zoll-Etage überrascht: "Grundsätzlich ist es so, dass sich die 18-monatige Verwendungsfrist für die Nutzung des Bootes in der abgabenfreien vorübergehenden Verwendung mit jeder Ausfahrt / Einfahrt in / aus internationale(n) Gewässern (12 Meilen Seezone) wieder von vorn verlängert. Wenn Sie dies durch ihre Bordbücher, Navigation oder Belege von Anlaufen / Aufenthalten außerhalb des Zollgebietes (z.B. Helgoland, Norwegen, etc.) belegen können, haben Sie im Grunde nichts zu veranlassen und können beruhigt überwintern." Das heisst ja nichts anderes, als dass wir bei unserer Rückfahrt aus Dänemark oder Schweden im Herbst nach Lübbeck einen kurzen Abstecher nach ausserhalb der 12-Meilen-Zone absolvieren müssen, um dann weitere 18 Monate unbeschwert auf EU-Gewässern reisen zu können. Das sind doch sehr gute Neuigkeiten. Auch zum Plan B, dem Verzollen, traf eine Antwort ein. Diese ist allerdings nicht so einfach zu verstehen. Hier kann man alles nachlesen. 

Hafeninfo: Die doppelte Klappbrücke in Kappeln öffnet sich jeweils um xx.40 Uhr. Ein weisses Licht über Doppelrot zeigt an, dass der Brückenmeister Dienst leistet. Er sieht wartende Boot vom Kommandoraum aus, eine Anmeldung ist nicht nötig.

Gefahrene Distanz: 10 km (Motor: 3186 h).

Freitag 31. Mai 2024, Norderhaken-Schleswig, Stadthafen: Die Anfahrt zum Stadthafen Schleswig kann man nicht verfehlen. Der Dom zeigt von Weitem, wo sich die Marina befindet. Doch so einfach geht es nicht. Das betonte Fahrwasser schlägt Haken wie ein flüchtender Feldhase. Doch dann ist man endlich am Ziel, hat eine freie, grün markierte Liegebox (zwischen Dalben) gefunden und möchte beim Hafenmeister das Liegegeld bezahlen. Doch dieser ist nur von 8 bis 11 Uhr am Morgen im Büro.

Für diesen, nicht ungewöhnlichen, Fall hat der Stadthafen vorgesorgt. Im benachbarten Hafencafé erhält man gegen 20€ Depot einen Zugangschip zum Sanitärgebäude. Dahinter verbergen sich die vielleicht schönsten Hafen-WC-Anlagen von Westeuropa und Umgebung. Das ist jetzt ein wenig übertrieben, aber in punkto Sauberkeit erhält der Stadthafen Bestnoten.

Die Nacht in der Ankerbucht Norderhaken war ruhig und verwöhnte uns mit einem farbenprächtigen Sonnenuntergang. Nach Mitternacht setzte Regen ein, und bis am Morgen blieb es so. Wir entschieden uns deshalb für ein gemähliches Tempo und steuerten als erstes das nahe Sieseby an. Die handvoll Strohdachhäuser ist als Ganzes denkmalgeschützt, der Spaziergang durch die sandigen Strassen und den verwunschenen Friedhof lohnt sich. Es gibt allerdings keinen vernünftigen Anleger. Ein neuer Steg ist im Bau, das Kopfende ist für die Ausflugsschiffe reserviert. Wir dürfen dort für zwei Stunden anbinden. Die Bauarbeiter vor Ort haben nichts dagegen.

Das nächste Hindernis ist die Brücke von Lindaunis. Sie wird neu gebaut. Ein verschiebbarer Fussgängersteg blockiert die Durchfahrt (3,8 M Durchfahrtshöhe). Eine Leuchtschrift am Brückenturm informiert über die Brückenöffnung. Von 10.30 bis 17.30 Uhr geht die Brücke stündlich auf. Die Durchfahrt erfolgt im Einbahnverkehr. Zuerst haben die Schiffe in Richtung Kappeln 10 Minuten grün, dann sollte die Fahrtrichtung wechseln. Für uns bleibt es aber bei Doppelrot. Wir fahren trotzdem los, was der Brückenmeister mit einem zustimmenden "Moin" quittiert.

In Schleswig bleiben wir bis Sonntag. Die Stadt ist sehr schön, und in der Umgebung finden sich diverse Ziele für Velotouren.

Gefahrene Distanz: 24 km (Motor: 3190 h).

Sonntag 2. Juni 2024, Schleswig-Kappeln: Der Besuch von Schleswig führt über eine Einbahnstrasse. Somit fahren wir heute auf derselben Route wie am Freitag schleiabwärts nach Kappeln zurück. Das ist überhaupt nicht langweilig. Man sieht Dinge, die man sonst nicht gesehen hätte. Zudem scheint unterdessen auch die Sonne. Wir geniessen den Tag.

Schleswig ist eine schöne Stadt. Das haben vor einigen hundert Jahren schon die Wikinger erkannt. Überall haben sie ihre Spuren hinterlassen. Sie waren nicht nur grobschlächtige Krieger, sondern auch kulturelle Botschafter mit positivem Erbe. Besonders attraktiv ist die Fischersiedlung Holm, nur ein paar Spazierminuten vom Stadthafen entfernt. Kleine Spitzdachhäuser gruppieren sich um den Friedhof im Zentrum, alles ist herausgeputzt, echt schön. Hier serviert das Restaurant "Schleimöwe" frischen Fisch, eine Reservation ist empfehlenswert.

Das Foto vom Tag zeigt einen Screenshot von der Webplattform Marinetraffic. Alle die violetten Punkte sind Vergnügungsschiffe. Im Osten ist also ziemlich viel los, während auf der Nordsee im Westen einzig ein paar Hardcoresegler auf den Wellen reiten. Nein, wir haben hier noch keinen Dichtestress, aber einen Vorgeschmack auf die langsam anlaufende Hochsaison. Keine Panik, es hat noch genügend freie Liegeplätze.... Nun starten wir die Planung für die Weiterfahrt Richtung dänische Südsee und das Etappenziel Kopenhagen. Je nach Wetter umrunden wir die Inseln im Uhrzeigersinn, oder umgekehrt.Ist möglicherweise ein Bild von ‎Karte und ‎Text „‎List Aabanra Sylt L Tender Svendboro 8 Sone Soreeteorg Niebüll of Fle Leck Kap E47 Maribe Husum Schleswige وه Nationalparl Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer மீ Sarkt Peter- Peter-ording ording Lolland አ/ፌ bogle Rer Fehma eilige 10NM 10‎“‎‎

Gefahrene Distanz: 34 km (Motor: 3194 h).

Dienstag 4. Juni 2024, Kappeln-Wackerballig (Flensburger Förde): haben wir einen langen Schlag nach Flensburg geplant. Entgegen der Wettervorhersage ist der Wind schwach und die See flach. Doch gegen Mittag nehmen die dunklen Wolken am Himmel überhand und ein schwarzer Strich auf dem Wasser verrät von Weitem, was nun kommt: Starker Wind. Wir beschliessen, den Hafen Wackerballig anzulaufen. Ein guter Entscheid.

Der Yachthafen liegt wie eine Insel rund 200 Meter vom Strand entfernt und ist mit einer Seebrücke mit dem Ufer verbunden. Diese einmalige Lage garantiert Ruhe, keine Autos und keine Passanten. Vor Ort steht alles bereit, was Schiffsleute benötigen. Natürlich Strom, Wasser und sanitäre Einrichtungen, aber auch die Bar "Wackerpulco" für die Stärkung von Körper und Seele. Landseitig haben wir für den Abend im "Dat Strandhuus" reserviert. Die Menükarte riecht man beim Vorbeigehen. Auf den Tisch kommen Fische und andere Meeresbewohner. Vor dem Essen wandern wir durch den Nordschau-Wald, ein einsames Naturschutzgebiet mit knorrigen Bäumen und teichartigen Wasserflächen.

Wackerballig ist echt ein spezieller Hafen, und so bleiben wir gleich zwei Tage. Flensburg werden wir somit nicht per Schiff, sondern per Bus besuchen. Das Wetter wird dann die Weiterfahrt nach Dänemark bestimmen.

Bereits vor zwei Tagen sind wir in Kappeln per Zufall schon zu einem unerwartet gastlichen Liegeplatz gekommen. Im Stadthafen wollten wir nicht anlegen, weil man sich dort etwas ausgestellt vorkommt, und im Ancker-Hafen, wo wir Tage zuvor schon übernachteten, war alles besetzt. Genau dazwischen, unmittelbar nach dem Fischer-Quai, entdeckten wir einen Liegeplatz mit einem grünen Frei-Schild. Eine Handvoll Boxen stehen dort für Dauerlieger und Gäste zur Verfügung (ausser Steg 1, der ist für Schiffe mit Werkstatttermin reserviert). Das Areal gehört zur Firma Schiffsmotoreninstandsetzung & Service Kiesow und verwöhnt mit grossen, "richtigen" Duschen und Einzeltoilette, fast wie im Hotel, und genauso sauber.

Gefahrene Distanz: 37 km (Motor: 3198 h).

Donnerstag 6. Juni 2024, Wackerlballig-Augustenborg: Das Wetter in Nordeuropa und damit auch in Norddeutschland ist momentan etwas tricky. Der Radiowetterbericht spricht von "Eintopfwetter", was alles Mögliche aus der Wetterküche beinhaltet. Die Einheimischen wissen sicher Rat, und so fragen wir den Hafenmeister in Wackerballig, ob es heute ratsam sei, nach Sanderborg überzusetzen. "Kein Problem, macht euch keine Sorgen, das wird wie Schlafen", gibt er uns auf den Weg mit. Leinen los, wir legen ab, bei flacher See und sanftem Wind. Zeit, die Dänemark-Gastflagge zu hissen.

Mit der Gemütlichkeit ist es aber bald vorbei. Am Himmel rollt wieder einmal eine schwarze Wand heran, und in den letzten Tagen haben wir gelernt, was das bedeutet: Starkwind, starke Böen und starker Regen. Und alles trifft wenig später ein. Die Wellen tragen nun Schaumkronen, der Wind heult durchs Verdeck, gegen die Frontscheibe prasselt Regen, einfach ungemütlich, nichts "wie Schlafen". NAJADE wird zur "Waltzing NAJADE", unten in der Küche scherbelt es, drei Unterteller liegen in Stücken auf dem Boden. Wir ändern den Kurs in Richtung Küste, um ein wenig Windschatten zu generieren.

Das Schöne am Eintopfwetter ist seine Unstetigkeit. Nach einer halben Stunde beruhigt sich die ungemütliche Lage und wir schnaufen auf. Wenig später passieren wir Sandborg. Nur sind wir in der schmalen und gut geschützten Durchfahrt zwischen dem Festland und der Insel Als. 20' vor der vollen Stunde öffnet sich die Klappbrücke und wir fahren mit einigen Seglern weiter nordwärts.

Das Tagesziel ist der Augustenborg Yachthafen, die Steganlage gehört zu einer Werft und macht einen guten Eindruck. Beim Einchecken plaudern wir mit der Hafenwartin übers Wetter, und sie prognostiziert optimistisch, dass nun der Sommer bald eintreffen werde. Wahr oder unwahr? Wir erinnern uns an ein Lied von Michael Holm, das Otto Waalkes adaptiert hat: "Dänen lügen nicht....". Hier der Song: "Dänen lügen nicht...", Michael Holm, featured by Otto Waalkes

Gefahrene Distanz: 37 km (Motor: 3202 h)

Freitag 7. Juni 2024, Augustenborg-Kalvoe: Jeden Tag über das Wetter zu lästern ist langweilig und müssig. Deshalb nur ein Satz. Heute war es wie gestern und vorgestern und vorvorgestern, am Morgen sonnig und mild, und am Nachmittag stürmisch, regnerisch und kalt.

Kurs Nordwest, von der Insel Als zurück aufs Festland. Auf der Fahrt von Augustenborg nach Kalvoe sinkt die Wassertemperatur von anfänglich 16.5 Grad auf gut 13 Grad. Hä? Wir wollen ja kein Bad nehmen, aber so haben wir uns die dänische Südsee nicht vorgestellt. Wir rätseln und kommen zum Ergebnis, dass das mit dem Hoheitsgebiet des hier regierenden Königs Frederik X. zu tun hat. Seiner Krone untersteht auch Grönland, und dort ist es bekanntlich eisig kalt. Vermutlich spüren wir nun das dänische Klima in seiner ganzen Breite.

Der kleine Hafen von Kalvoe verdient das Prädikat "hyggelig". Zugegeben, dieses Wort ist seit dem Einzug von Ikea in Helvetien ein wenig abgedroschen, doch für hier passt es. Gemütlich, ruhig, entspannt und gastfreundlich, so lassen sich die drei Stege gut beschreiben. Modern stimmt auch. Die Rolle des Hafenmeisters übernimmt ein Bezahlautomat, auf der Quittung steht der Code für Dusche und WC, und Strom und Wasser sind inbegriffen.

Für das Abendessen haben wir im "Kalvoe Badehotel" reserviert, wir haben heute zu feiern. "Badehotel" tönt abgehoben, ist es aber nicht. Man muss dort einfach einkehren. Weit und breit bis zum Horizont findet sich nämlich kein weiteres Gasthaus. So gesehen ist das "Badehotel" ein klassischer Monopolbetrieb. Geschichtlich hat der Ort eine spannende Vergangenheit. Hier befand sich zu früheren Zeit die zweitgrösste Werft Dänemarks. Gebaut wurden Drei- und Viermaster für den weltumspannenden Handel. Das funktionierte, bis andernorts jemand auf die Idee kam, Frachtschiffe mit Motoren anzutreiben. Kalvoe war am Ende.

Vor dem Essen wird gewandert. Rund um die Insel Kalvoe, ein schöner Spaziergang dem Wasser entlang. Es sieht hier ein wenig aus wie auf der Mecklenburgischen Seenplatte, doch die schnell näher kommenden Regenwolken holen uns auf den Boden der Realität zurück. Dänemark halt.

Gefahrene Distanz: 34 km (Motor: 3206 h).

Samstag 8. Juni 2024, Kalvø-Aarø:Die Insel Aarø ist weitgehend autofrei. Wer trotzdem mit vier Rädern unterwegs sein möchte, kann sich einen Golf-Buggy mieten. Das ist aber nicht billig, die Stunde Buggyfahren kostet 250 Kronen oder rund 32 Franken. Wir haben vorerst gar keine Lust, die Insel zu erkunden. Denn, ja richtig, es regnet und stürmt wieder einmal.

Im Hafen haben wir längs am ersten Steg angelegt. Etwas anderes wäre fast nicht möglich gewesen. Der böige Wind triebt den Regen quer über die Marina, es fegte richtig, und wir waren froh über einen Parkplatz, der ohne grosse Anlegemanöver angefahren werden kann.

Der Tag hatte eigentlich ganz hoffnungsvoll begonnen. In Kalvoe war die See fast flach, und um den via Radio angekündigten Wellen draussen im Kleinen Belt auszuweichen, hatten wir einen magenschonenden Kurs nah an der Küste abgesteckt. Doch dieser Plan nahm ein schnelles Ende. Kaum abgefahren, kam ein rasant über die Wellen hüpfendes Festrumpf-Schlauchboot auf uns zu, und als auf dem Gerätebügel die blauen Lichter zu flackern begannen, wussten wir, oha, jetzt passiert was. Doch die Polizisten hatten nur Gutes im Sinn. Sie erklärten uns, dass ein paar Meilen weiter nördlich scharf geschossen werde, und dass wir deshalb eine weite Kurve nach draussen über die offene See zu steuern hätten. Sie fuhren uns voraus, weit, sehr weit, hinaus und wiesen uns dann den sicheren Pfad. Der Umweg kostete über eine Stunde zusätzlich, und die Wellen von hinten und von der Seite trugen den Rest zum Unwohlsein bei, so dass wir ziemlich ausgelaugt in Aaroe ankamen.

Nun bringen wir wieder Ruhe in Körper und Seele, mit einem feinen Apéro. Das ist doch ein gutes Zeichen, dass die Mühsal der Seefahrerei ein Ende hat, sobald man im ruhigen Hafen angekommen ist.

Gefahrene Distanz: 34 km (Motor: 3710 h).

Montag 10. Juni 2024, Aaroe-Assens, Insel Fyn: Der starke Wind machte gestern die Wellenkronen weiss und verschaffte uns einen Ruhetag auf Aaroe. Zwischen den unentwegt aus Westen anrollenden Regenfronten blieb es jeweils knapp eine Stunde trocken. Wir schafften es auf der ersten Etappe bis zur kleinen Kirche. Aussen ist sie unscheinbar, Innen fällt die ungewohnte Farbkombination von Bänken und Kisssen auf. Vorne im Chor hängt das Modell des Dreimasters "Maria" von der Decke. Für uns Landratten ungewohnt, für die dänischen Seefahrer ist das Schiff als Zeichen des kirchlichen Schutzes Alltag.

Das zweite trocknene Zeitfenster reichte bis zur Schutzhütte im Wald. Dazwischen haben wir die kleinste Brauerei Dänemarks, das vermutlich kleinste Feuerwehrlokal und den einzigen Winzer im Umkreis von einigen 100 Kilometern besucht. Aaroe ist wirklich eine Perle im Kleinen Belt.

Den windarmen Morgen haben wir heute für den kurzen Hüpfer nach Assens genutzt. Der Yachthafen hier ist sehr komfortabel, in 10' Entfernung findet sich ein Supermarkt und gleich gegenüber wird in der Werft gearbeitet. Wir fühlen uns wie in der Loge von "Karl's kühne Gassenschau". Hoch oben im Lichter- und Antennenmast eines Versorgungsschleppers turnen Gerüstbauer herum. Ungesichert, aber immerhin mit Schwimmwesten ausgerüstet.

Gefahrene Distanz: 14 km (Motor: 3212 h).

Mittwoch 12. Juni 2024, Assens, Weiterfahrt wegen Starkwind nicht möglich: Am Dienstmorgen, und auch heute morgen, führt der erste Spaziergang zum nahen Strand. Ausguck nach Wetter und Seegang. Nö, geht nicht, heisst es dann einhellig. Ab zum Bezahlautomat und einen weiteren Tag Liegegeld entrichten. Wir hängen in Assens fest.

Das ist gar nicht so schlimm. Heute fuhren wir mit dem Bus nach Odense. Sehr schön. Gestern besuchten wir ein Weberei- und Flachsmuseum mitten im Nirgendwo. Auch sehr schön.

Morgen geht's vielleicht weiter, der Wind soll etwas nachlassen. Das wäre noch schöner. 

Ist möglicherweise ein Bild von Ozean

Donnerstag 13. Juni 2024, Assens-Faldsled: Juhui, wir haben die Dänische Südsee erreicht. Wer immer dieser Region den Namen gegeben hat, war garantiert nicht am 13. Juni 2024 hier. Denn, ja, genau, richtig, von Südsee keine Spur, was das Wetter angeht. Es ist so kalt, dass sogar die Dänen zu den kurzen Hosen eine warme Kappe anziehen, und das will etwas heissen.

Die Fahrt von Assens nach Faldsled haben wir besten überstanden. Zwar kamen die Wellen von der Seite, doch ihre Mächtigkeit hielt sich in Grenzen. Eher störend war der heftige Regen, der kurz vor dem Anlegen über uns hinweg fegte.

Doch nun sind wir im sicheren Hafen und machen einen ersten Spaziergang am Südseestrand. Die Landschaft ist sehr schön. Flache Inseln mit Wiesen und kleinen Wäldern begrenzen den Blick nach Westen. Das Festland wiederum wartet mit sanften Hügeln auf. Wenn man die Augen zukneift, dann fühlt man sich schon ein wenig daheim, etwa am Ufer eines der Mittellandseen am Jurasüdfuss. In Faldsled ist nicht viel los, der Ort hat sich einzig durch sein edles Restaurant "Falsled Kro" landesweit einen Namen gemacht. Wir wagen einen scheuen Blick in die Speisekarte und sehen, dass wir heute abend vermutlich an Bord selber kochen werden. Das Sommermenü im Feinschmeckerlokal kostet rund 275 Franken, ohne Getränke, und das pro Person. Das schaffen wir auf dem Schiff günstiger.

Der kleine Hafen ist sehr ruhig. Viele Liegeplätze sind frei. Bezahlt wird am Automaten. Dieser spuckt auch die Zugangskarte für Duschen und Toiletten aus. Alle Häfen, die wir bisher in Dänemark angefahren haben, funktionieren nach diesem, meistens gut funktionierendem, System.

Gefahrene Distanz: 33 km (Motor: 3215 h)

Freitag 14. Juni 2024, Faldsled-Faaborg: Der vom Wetterbericht prognostizierte Winddreher nach Süd traf in der Nacht ein, wir schliefen so ruhig wie seit Tagen nicht mehr. Am Morgen weckte uns zwar der Regen, doch es war spürbar wärmer als sonst.

Gegen 11 Uhr legen wir in Faldsled ab und peilen Faaborg als Tagesziel an. Zwischen den flachen Inseln ist man vom Seegang gut geschützt, doch an den westlichen Kaps rollt die See ungebremst an. Wir werden etwa eine Stunde lang ziemlich geschüttelt, doch dann wird es ruhiger. Die letzten grauen Wolken am Himmel verschwinden und erstmals in dieser Woche scheint die Sonne richtig warm. Die ruppige Schüttelpartie haben wir diesmal ohne längerandauernde Folgen überstanden. Auch der Motor hustete kein einziges Mal. Bei starkem Seegang hatten wir befürchtet, dass der Schlamm in den Dieseltanks aufgewirbelt wird und die Filter verstopft. Nichts von dem, der Volvo-Penta-Sechszylinder läuft äusserst zuverlässig.

Im Innenhafen von Faaborg sind drei Stege für Gastlieger reserviert, zwei Drittel der Plätze tragen grüne Täfelchen, wir haben die freie Wahl. Das wunderschöne Städtchen hat sich für den Sommeransturm gerüstet. Wir spazieren unter bunten Blumenkugeln durch die Gassen. Am Hafenquai stehen Streetfoodstände, und direkt am Steg geniessen wir das erste dänische Soft-Ice. Es ist soooo gut, unter der Sonne!

 Ist möglicherweise ein Bild von 5 Personen, Straße und Laternenmast

Hafeninfo: Die Stege A, B und D sind exklusiv für Gastlieger reserviert. An den Stegen A und B kann man innen löngs anlegen. Wer auf sicher gehen will, kann in Faaborg online einen Platz gegen eine Reservierungsgebühr buchen. Das Liegegeld wird am Automaten bezahlt, die Hafenkarte ist nötig, um an den Stromsäulen die Steckdosen freizuschalten. Die Hafengebühr ist relativ teuer, die Anlage ist aber sauber und komfortabel. 

Gefahrene Distanz: 27 km (Motor: 3219 h).

Sonntag 16. Juni 2024: Faaborg-Lyø-Avernakø-Faaborg: Normalerweise sind wir mit unserer NAJADE auf dem Wasser unterwegs. Heute Sonntag liessen wir die alte Dame ruhen und wechselten auf die kleine Fähre FAABORG III. Der Inselhüpfer verbindet die Inseln Lyø und Avernakø mit Faaborg. Für 10 Franken pro Person kann man die volle Runde mitfahren, mit mehrstündigen Unterbrüchen auf den Inseln. Das ergibt eine tolle Tour. Am Abend ziehen wir eine Bilanz: 16'000 Schritte, zwei dunkle kühle Bier, ein exzellentes Apéro-Plättchen und ein Soft-Ice aus einer speziellen Maschine. Und das Beste: Wir haben die Dänische Südsee von ihrer Postkartenseite kennen gelernt. Fast von Morgen bis spät am Nachmittag schien die Sonne. Erst dann setzte wieder Regen ein...

Lyø ist die kleine, sehr naturnahe Insel. Der Yachthafen auf der Ostseite war heute etwa zur Hälfte belegt, in der Hochsaison soll es hier Dichtestress geben. Alternativ ist das Ankern möglich, teilweise sind Bojen ausgelegt, in verschiedenen Farben. Gelb ist für Mitglieder des dänischen Seglerverbands reserviert. Wir wandern rund um die halbe Insel, ein Erlebnis. Zwar sind nachher die Schuhe schmutzig, aber unterwegs haben wir Fasane, Rehe, Hasen, Kühe und Rinder kennen gelernt.

Knapp schafften wir es zurück zum Fähranleger, um mit der FAABORG III nach Avernakø überzusetzen. Hier ruhten wir uns im Havncafeen aus. Ein herrlicher Ort, um einen Sonnentag zu geniessen. Die Wirtin tischte auf, und wir erfuhren viel Unbekanntes. So hat die Reedersfamilie Möller-Maerks hier eine Sommerresidenz, gestern Abend tranken die Inselbewohner bei einer spontanen Party alle Gin-Vorräte leer, und die 15 Sorten Soft-Ice auf der Dessertkarte sind nur dank eines Kapselsystems möglich. Man legt den Behälter mit dem Wunscharoma in eine Art überdimensionierte Nespresso-Maschine und muss nur noch den Becher darunter halten. So fein! "See you next year", lachte uns die Frau hinter dem Tresen zum Abschied zu. Warum nicht? Vielleicht fahren wir morgen schon wieder hin, diesmal auf eigenem Kiel mit unserer NAJADE.

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Arbeiten am Schiff in Mölln:

 

Elbe-Lübeck-Kanal, Elbe bis Cuxhafen:

  • Mölln-Güster, 13 km: Sportboothafen im Prüsssee, Tel. 0049 4158 497, naturnah, ruhig, bei Campingplatz, Restaurant am Hafen, kleiner Laden
  • Güster-Lauenburg, 24 km, 2 Schleusen (Witzeeze, Lauenburg): Stecknitzhafen, Wassersportclub Lauenburg (max. 12 m, ab 10 m zwingend Tel. Hafenmeister 0049 175 851 4809, Mo-Fr 18-20.30 Uhr, +Sa/So 10-12.30). Yachthafen Lauenburg, Tel. 0049 171 811 21 85.
  • Lauenburg-Geesthacht, 9 km: Seglervereinigung Geesthacht, nahe beim Stadtzentrum, alle Einrichtungen, ideal zum Einkaufen
  • Geesthacht-Hamburg (Dove Elbe), 33 km, 2 Schleusen (Heesthacht, Tatenberg), Tide beachten: Hamburger Yachtclub. (tidenunabhängig, Zufahrt nicht ±2h vor und nach Niedrigwasser, Broschüre mit allen Infos). Alternative Süderelbe: Yachtclub Hansa Harburg
  • Hamburg-Wedel, 19 km, 1 Schleuse (Tatenberg): Durchfahrt Norderelbe, Landungsbrücken unruhiges Wasser, alternativ siehe Route Süd. Yachthafen Hamburg Wedel, riesiger Hafen mit zwei Stegen und Tankstelle (biofreier Diesel), in freier Box anlegen und dann beim Hafenmeister melden, Westanlage: Sven Nagel, 0049 171 276 63 00, Anlage Mitte (Kran, Werft): Kay Sörensen, 0049 173 458 83 53, Ostanlage: Marco Hagen 0049 172 642 32 27
  • 20 km ab Wedel, Pinnau, rechtes Ufer, Seglervereinigung Pinnau: Tidenunabhängiger, kleiner Hafen, Zufahrt durch Sperrtor (offen ± 2h vor und nach Hochwasser)
  • 33 km ab Wedel, Glückstadt, rechtes Elbufer: Hafen tidenunabhängig anfahrbar (Bericht mit allen Infos auf blauwasser.de), Hafenbetreiber: Seglervereinigung Glückstadt (keine Reservationen möglich)
  • 40 km ab Wedel, Freiburger Hafen, Hafenpriel, linkes Ufer: Seglervereinigung Freiburg, Hafen nur kurz vor und nach Hochwasser ansteuerbar
  • 55 km ab Wedel, Brunsbüttel, alter Hafen: Seglervereinigung Brunsbüttel, Zufahrt und Liegeplatz pegelabhängig
  • 84 km ab Wedel, Cuxhafen: Seglervereinigung Cuxhafen, freie Boxen sind grün markiert, alle Dienstleistungen inkl. Tankstelle und Waschmaschinen

 

Nord-Ostsee-Kanal bis Rendsburg

  • Brunsbüttel Schleusenhafen (Oberwasser): Ausführlicher Bericht (blauwasser.de), Schleusenverfügbarkeitsanzeige, Anlegen längs am Ost- oder Westquai, im hinteren Teil des Hafens an Heck oder Bugboje, laut (Schraubengeräusche der unmittelbar neben dem Hafen ein- und ausfahrenden Frachtschiffen).
  • Brunsbüttel (Oberwasser)-Rendsburg, 67 km: Regatta-Verein Rendsburg, Rendsburg, Yachthafen, 120 Gastliegeplätze, Bürozeiten: 8.30-12 Uhr, 15-20.30 Uhr, Hafenmeisterin Silke Bothmann 0049 162 3415 906, Liegegebühr 320€/Monat, plus 60€ Strompauschale, 20. April 2024: Krantag  
  • Zugsverbindungen ab Rendsburg nach Mölln: stündlich xx.25, 3h11', 1x umsteigen (oder xx.56, 2h40', 3x umsteigen)
  • Zugsverbindung ab Hamburg Airport nach Rendsburg: xx.46, 2h12', 3x umsteigen 

 

Marinas in Hamburg:

 

Durchfahrt Hamburg: 

 

Hamburg Hafen:

 

Nördlich Kiel:

  • Yachthafen Wackerballig, Flensburger Förde, westlich Naturschutzgebiet Geltinger Birk, erreichbar über langen Steg, keine Sturmschäden, Anmelden via Hafenmeisterin
  • Yachthafen Damp voraussichtlich für Gäste gesperrt

 

Schlei:

  • Sportboothafen Maasholm: Sturmschäden, Liegemöglichkeit abklären
  • Hubbrücke Kappeln: Stündliche Öffnung xx.45, VHF 11, 
  • Stadthafen Kappeln: Keine Reservation möglich, ausschliesslich Gastlieger, freie Boxen sind frei

 

Dänemark:

Häfen mit Sturmschäden: 

  • Hesnaes Haven, Westküste Falster (kleiner Hafen)
  • Mommark, Insel Alsen
 

2024: Planung

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